Interview mit einer WM-Teilnehmerin im Synchronschwimmen

Mia Duda-Dudynska aus dem Schwimmbezirk Mittelrhein (SG WAGO) hat Ende August 2019 an den U 15 Weltmeisterschaften in Samorin/Slowakei teilgnommen. Sie startete im Teamwettkampf mit der DSV-Auswahlmannschaft und berichtet hier über ihre Erfahrungen und Eindrücke dieses hochkarätigen Wettkampfs.

 

Hallo Mia, Du hast
Ende August 2019 an den ersten FINA-U15-Jugendweltmeistershaften in der
Slowakei teilgenommen.  Und das mit erst
13 Jahren und in einer Sportart, die hierzulande nicht allen Menschen bekannt
ist - im Synchronschwimmen. Erzähl doch einmal etwas über Deinen Sport. Wie
bist Du dazu gekommen und was fasziniert Dich am Synchronschwimmen?

MIA: Ich habe seit meinem 4. Lebensjahr Sport gemacht:
Taekwondo und Ballett. Per Zufall bin ich zum Probetraining beim
Synchronschwimmen gekommen - und geblieben. Das war vor 5 Jahren. Das Schönste
an diesem Sport ist , Kunststücke im Wasser zu zeigen, sich frei im Wasser zu
bewegen, Choreografien mit zu entwickeln und diese zu schwimmen. Man muss sich
immer wieder überwinden und am Ende stellt man fest, dass man stärker ist, als
man am Anfang gedacht hat!

 

Wann haben Du und
Deine Trainerin bemerkt, dass du ein großes Talent für diese Sportart hast?

MIA: Ich weiß nicht, ob ich wirklich Talent habe, aber
manchmal gelingen mir Sachen ziemlich gut, leider nicht immer. Und dieses
Gelingen ist auch immer davon abhängig, wie viel man trainiert hat. So gesehen
ist das vielmehr die Arbeit von mir und meiner Trainerin Tatiana Reich gemeinsam,
als nur Talent.

 

Das klingt alles nach
einem sehr hohen Trainingsaufwand. Wie oft trainierst Du pro Woche und wie
sieht so ein Training genau aus?

MIA: Regulär sind das 3 Trainingseinheiten von je 2 Stunden
pro Woche. Das meiste wird aber im Wochenendtraining erreicht, da dauert die
Einheit um die 5 Stunden. Generell macht man sich zuerst warm und dehnt sich an
Land, dann wird geschwommen, so wie die richtigen Schwimmer es machen;  danach erst kommt das synchronschwimmspezifische
Training. Da wird geübt und wiederholt, bis die Figuren gelingen und die
Technik sitzt. In den Küren muss dann auch noch das Timing mit den anderen
Schwimmerinnen klappen. An Land werden auch Stehproben zu den Choreografien
gemacht, die sehen komisch aus für die Leute, die das nicht kennen.

 

Synchronschwimmen ist
also eine Sportart, die man alleine (im Solo) und im Team (Gruppe, Duett,
Kombination) ausübt. Wie schafft man es erfolgreich als Team aufzutreten,
insbesondere, wenn man im Rahmen der Jugendnationalmannschaft mit
Schwimmerinnen aus ganz Deutschland auf Wettkämpfen startet?

MIA: Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt (vor den
Wettkämpfen finden mehrere Lehrgänge statt), so viel miteinander trainiert (bis
zu 8-10 Stunden täglich einige Tage hintereinander), klappt es dann auch irgendwann.

 

Wie schaffst Du es,
Dich immer wieder zu so einem intensiven Training zu motivieren und Deine
Wochenenden oftmals in der Schwimmhalle zu verbringen, anstatt mit Freundinnen
zu shoppen oder ins Kino zu gehen?

MIA: Gute Frage! Ich kenne kein Rezept, das ist nicht immer
leicht. Es ist schwierig, sich immer wieder überwinden zu müssen, immer müde zu
sein und Muskelkater zu haben, kaum Freizeit. Aber ich schaffe das irgendwie.
Ich liebe Synchronschwimmen und ich liebe es, wenn das Ergebnis am Ende stimmt!

 

Wie wirst Du
unterstützt aus Deinem näheren Umkreis, also von Familie, Freunden, der Schule,
dem Sportverein...?

MIA: Ich werde sehr stark von meiner Familie und meinem
Verein unterstützt. Auch in der Schule werde ich für Lehrgangsmaßnahmen und
Wettkämpfe befreit. Danke dafür!

 

Beschreib doch einmal
das Gefühl, wenn man realisiert, dass man wirklich auf einer Weltmeisterschaft
startet. Wie ist es, so viele andere Teilnehmer aus der ganzen Welt zu treffen
und  sich untereinander zu messen?

MIA: Als ich erfahren habe, dass ich an der FINA World Youth
Artistic Swimming Championships 2019 in der Slowakei teilnehmen darf, war ich
sehr aufgeregt und hatte auch ein wenig Angst. Das ist eine große Ehre für jede
Sporterin und eine noch größere Verantwortung. So war die Freude natürlich
riesig, ich hatte aber auch Angst, Fehler zu machen. Der Wettkampf verlief dann
auch leider nicht ganz fehlerfrei... Die Vorbereitungen zum Wettkampf waren
sehr anstrengend, aber der Wettkampf war dann ein so großes und wunderschönes
Event, dass man für die ganze Mühe belohnt wurde. Eine sehr schöne spannende
Woche mit über 300 Sportlern aus 35 Ländern der Welt!!!

 

Welche positiven
Aspekte nimmst Du mit aus der WM-Teilnahme und was hat Dich vielleicht auch
gestört oder Dir nicht gefallen?

MIA: Mir haben nur meine eigenen Fehler nicht gefallen, und
sehr müde war ich danach auch. Sonst war das alles sehr schön! Ich bin meinen
Trainerinnen und meinem Verein sehr dankbar für dies Chance!

 

Die nächste U 15
Weltmeisterschaft findet in 2021 statt. Können wir uns auf Deine Teilnahme
daran freuen?

MIA: Oh, danke! Mal schauen, ich arbeite jedenfalls an mir
weiter!

 

Hast Du einen
Synchro-Traum?

MIA: Ich würde gerne mal ein Mixed-Duett schwimmen - dies
bleibt aber wahrscheinlich unerfüllt, weil die Jungs diese Sportart meiden.
Dabei muss man gerade hier sehr stark und fit sein, sogar mehr noch als im
Eiskunstlauf, dem Ballett oder Tanzen, bei dem die Jungs ja auch schon gerne
mitmischen. Synchronschwimmen setzt Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und
Beweglichkeit voraus.

 

Liebe Mia, vielen Dank
für das spannende Interview mit  Dir und
weiterhin ganz viel Erfolg in Deiner schönen Sportart Synchronschwimmen!

 

Dagmar Scholten